- 1: Aktuelles.
- 2: Kursprogramm.
- 3: Die VHS.
- 4: Firmenprogramm.
- 5: FAQ.
- 6: Newsletter.
- 7: Projekt Alphafilm.
- 7.1: Prolog.
- 7.2: Die Filme und Filmemacher.
- 7.3: Die Arbeit am Film.
- 7.4: Fazit.
- 7.5: Innovationspreis.

Joachim Radtke /
Hätte ich den Schreiben gelernt?
Nach einem ersten Dreh mit den Lernern aus seinem Alphabetisierungskurs wollte Herr Radtke seinen Film hinschmeißen. Das lag nicht nur an der spürbaren Skepsis seiner Protagonisten. Herr Radtke war entmutigt, weil er keinen Weg sah, den eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Sein Film sollte enthüllen, aufrütteln, berühren; die Zuschauer zum Lachen bringen und zum Weinen. Als junger Mann hatte Herr Radtke von Hollywood geträumt. Seine große Leistung besteht darin, dass er immer wieder einen Anfang wagte, obwohl er wusste, dass er sein eigentliches Ziel nicht erreichen würde.
Die Arbeit an dem Film brachte Herrn Radtke die immer erhoffte Erklärung für seine Schreibschwierigkeiten: Legasthenie. Aber was heißt das?

Steven Kern /
Mein Freund Hallimasch
Er spielte abwechselnd auf seinem Handy und auf seinem Laptop, die Kopfhörer hatte er von den Ohren gezogen, die Musik lief noch. Nervös wippte er mit dem Bein. „Nicht so der Hit!“ quittierte er den Filmausschnitt, den wir ihm zeigten. Er hatte kaum hingesehen. Steven Kern wollte einen ganz anderen Film machen, einen megacoolen, einen arschgeilen, einen… einen Film über sich.
Wir überredeten ihn zu einem Film über seinen Freund. Einen Breakdancer. Die Zusammenarbeit mit Steven war – entgegen dem ersten Eindruck - sehr angenehm. Er hatte viele Ideen, war kommunikativ geschickt und überaus verbindlich, was Verabredungen betraf.
Aber dann brach er sich den Fuß. Zwei Monate lag er mit Gips zu Hause. Er hatte Schmerzen. In dieser Zeit hat er das Vertrauen in sich verloren. Und das Vertrauen in seinen Freund, der neben dem Training keine Zeit fand für einen Krankenbesuch. Soviel Unterstützung wir Steven auch anboten, er wollte den Film über den Freund, seine Breakdance-Crew und das große Battle nicht beenden.

Isabell Volkmer /
Ich bin anders
Man sieht es ihr sofort an: Isabell Volkmer hätte eine Geschichte zu erzählen. Aber sie kann die Geschichte nicht erzählen. Sie hat keine Worte dafür. Reden ist nicht ihr Ding. Fragen schon gar nicht. Da ist sie lieber vorsichtig. Andere Menschen mit der Kamera zu fi lmen hat Isabell große Überwindung gekostet. Bei den Dreharbeiten zu ihrem Film interviewten wir für sie einen Mann und eine Frau, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatten. Die beiden konnten die extremen Reaktionen ihres Umfeldes und das eigene Auf und Ab so eindrücklich beschreiben, dass Isabell hinter der Kamera manchmal ihre Distanz vergaß. Eigene Erfahrungen und erlittene Verletzungen brachen aus ihr heraus. In diesen Momenten fand sie zu einem sehr direkten Ausdruck für sich selbst.

Margret Köhler /
Eine Katze für meine Katze
Margret Köhler war bei allen Drehterminen für ihren Film im Tierheim die Erste. Mit großer Zuneigung näherte sie sich den Tieren, schnell und flexibel reagierte sie auf ganz unterschiedliche Bedingungen. Doch eine Frage ließ ihr keine Ruhe: Welche Katze sollte sie zu sich nehmen? Hatte sie sich für eine entschieden, taten ihr die anderen leid. Jeden Drehtag und jeden Tag im Schnitt nahm sie zum Anlass, neu über dieses Problem nachzudenken. Sie kam einfach zu keiner Lösung. Film und Realität überlagerten sich. Wir begannen, uns Sorgen zu machen und führten selbst eine Entscheidung herbei. Zumindest im Film. Nur so konnte Margret weiter arbeiten.

Angela Richter /
Freddy kann sich nicht erinnern
Frau Richter brachte als Kind Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus zu und ging nicht zur Schule. Sie hatte keine Vorstellung von sich als Kind. Sie hatte noch nicht mal ein Foto. Aber sie erinnerte sich an einen Namen: Freddy Fritzsch.
Frau Richter konnte am Anfang kaum Fragen stellen oder zuhören. Sie redete ohne Pause. Freddy Fritzsch wusste nach einer Stunde alles über Frau Richter, Frau Richter wusste nichts über Freddy. Beim Schneiden, als sie sich selbst hörte, fiel ihr das selbst auf. Und beim nächsten Mal hatte sie sich Fragen zurechtgelegt. Am letzten Schnitt-Tag musste sie im Tonstudio einen selbstverfassten Text einsprechen. Wir alle hatten Angst vor diesem Moment. Denn bei allen vorherigen Versuchen, einen vorformulierten Satz zu sagen, geriet sie immer ins Stottern. Doch Frau Richter hat die Tonaufnahme mit Bravour gemeistert.

Peter Aurich /
Rentnersruh oder meine Scheidung
Herr Aurich kam zum ersten Treffen mit zwei Aktenordnern. In den Ordnern die Dokumente seiner Scheidung, jeder Anwaltsbrief, jeder Zettel ist ein Angriff gegen ihn. So jedenfalls empfand er das. Er konnte sich gegen diese Papiere nicht wehren. Er verstand sie nicht. Er zitterte. Die Scheidung war das Thema, mit dem er sich von morgens bis abends beschäftigte. Gemeinsam haben wir die Dokumente in eine Reihenfolge gebracht und eine Textcollage erstellt.
Dann zog Herr Aurich mit der Kamera los. Er filmte Trachtenumzüge, Seniorenausflüge, er filmte im Industriemuseum und im Skat-Klub. Bis er uns seinen Lieblingsort zeigt: Rentnersruh. Als beim Schneiden des Filmes die Texte angelegt wurden, hörte er in vielen Wiederholungen seine Nachbarin, seine Frau, die Gutachten über seine Psyche. Und irgendwann lachte er zusammen mit uns darüber.









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