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Chronik

der Volkshochschule Chemnitz

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„Nicht, was der Lehrer sagt, gilt, sondern das, was sich jeder mit Aufbietung einer gewissen Willens- und Denkkraft erarbeitet hat."

Dr. Karl Hans Keller, 1919

  • Die Mitglieder der Leitung der Volksbühne mit Dr. Keller
  • Um 1932 Heim der Volkshochschule, Friedrichsstraße Chemnitz
  • Industrieschule um 1930 (Veranstaltungsort der VHS Chemnitz)
  • Direktor Rolf Pönisch mit Marianne Weinert (Tochter von Erich Weinert)

Eine kleine Hilfestellung zur Lösung der Frage, ob das Programm von 1919 oder aus 2007 ist: Dr. Krieger war Oberlehrer, Herr Gürtler Anstaltslehrer, Herr Ziegler Diplom-Bücherrevisor.

Schon vor neunzig Jahren verfügte die Volkshochschule über qualifizierte Dozenten. Dass die Volkshochschule zur individuellen Weiterentwicklung beitrug, gar 1920 von einem neuen vereinten Europa sprach, „... wird neues geistiges Leben hervorgehen, das unser Volk sich in Gemeinschaft mit anderen europäischen Völkern begründen muss", sich weiterhin weltanschaulicher Neutralität verpflichtet fühlte, wurde ihr in der ausgehenden Weimarer Republik nicht zum Vorteil. Der nationalsozialistische „Kampfbund für deutsche Kultur" gründete 1932 eine Nationale Volkshochschule, die sich gegen den liberalen und humanistischen Geist der VHS und ihre „marxistischen Lehrer" richtete. An der Spitze des braunen Kampfbundes stand Professor Dr. Martin Staemmler - zuvor Mitglied des Lehrkörpers der VHS. Mit der Gleichschaltung musste die VHS im März 1933 ihre Arbeit einstellen.

 

Am 19. November 1945 war es der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, der die Volkshochschule wieder zum Leben erweckte.

 

Zwar wurde erst im April 1946 die formelle Genehmigung durch die sowjetische Militäradministratur erteilt, doch bis dahin war eben - ganz in der Tradition kreativen Volkshochschul-handelns - das Kulturamt der Stadt Veranstalter. Zu sozialistischen Zeiten hatte die Volkshochschule (auch) andere Aufgaben, als Dr. Keller sie 1919 definiert hatte. Die berufliche Weiterbildung für Erwachsene zog sich jedoch auch in diesen Zeiten als roter Faden durch die Arbeit. Eine Journalisten-Vorschule, eine Dolmetscherschule, Bauhandwerk- und Elektrotechnik-Umschulungen standen genauso auf dem Lehrplan wie das Vermitteln der Studienvoraussetzungen für junge Arbeiter. Der verantwortliche Stadtrat Riesner schrieb dazu: „ ... ermöglicht die Volkshochschule die Weiterbildung der werktätigen Bevölkerung nach Abschluss des Schulbesuches auf allen wissenschaftlichen und kulturpolitischen Gebieten". Die anderen, neuen Lehrinhalte sind aus heutiger Sicht wenig überraschend. Im ersten Programm nach dem Krieg wird als erster Kurs aufgeführt: Der historische Materialismus. Ihm folgten Kurse über die Sowjetunion und die Geschichte des Sozialismus. Aber auch Musik, Physik und „Frauenprobleme von heute". Der Weg zur zunehmenden Verschulung der Arbeit der VHS war in den Folgejahren unverkennbar. Die VHS betreute die Betriebsvolkshochschulen, integrierte die bäuerliche Volkshochschule und wurde 1949 Abendoberschule. Hier konnten reguläre Schulabschlüsse nachgeholt werden. Das Abendgymnasium sollte die VHS-Arbeit bis zum 01.08.1992 begleiten. 1954 bis 1956 war Volkshochschularbeit dem Ministerium für Kultur zugeordnet, ergo stand „kulturelle Massenarbeit" im Vordergrund. 1956 ging der Weg wieder zurück zum Ministerium für Volksbildung. Es entwickelte sich ein Stamm festangestellter Lehrer, der dem sich veränderten Anforderungsprofil gerecht werden musste. Immer weniger mussten Abschlüsse der 8. oder 10. Klasse nachgeholt werden, was der VHS den Beinamen „Hilfsschule für Erwachsene" eingebracht hatte. Mehr denn je stand die Abendoberschule im Mittelpunkt. Doch auch andere Kurse, staatlich verordnet, waren Bestandteil des Programms. So fand unter Leitung der VHS der „Lehrgang für Helfer der örtlichen Ferienspiele" statt, genauso wie „Vorbereitungsabende zur Ablegung der staatlichen Spielerlaubnis für Laientanzmusiker". Am 13. Oktober 1984 wurde der VHS durch den Rat der Stadt Chemnitz der Name des Dichters Erich Weinert verliehen.

 

Drei Kurse aus den frühen 80er Jahren seien genannt, die sich am roten Volkshochschulfaden orientieren und mit leicht veränderten Inhalten und Bezeichnungen noch heute im Programm wiederzufinden sind: Werktätige, die eine Arbeit im Ausland aufnehmen wollten, wurden in Intensivsprachkursen darauf vorbereitet, leitende Angestellte erhielten pädagogisch-psychologische Schulungen, die „Werktätigen aus den sozialistischen Bruderländern" erhielten Deutschkurse.

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